Karate-Akademie Göttingen e. V.

Schule Milutin Susnica

Karate-Akademie Göttingen

Schule Milutin Susnica
Letzte Änderung: Meisterschaften 2018 (15.11.2018, 09:04:54)

Dōjōregeln


Dōjōregeln oder Regeln für das Training der Kampfkünste sind die Verhaltensregeln des Budō. Überliefert und verbreitet wurden sie unter anderem durch Sakugawa um das Jahr 1750. Angeblich gehen sie zurück auf Regeln, die schon der buddhistische Mönch Bodhidharma in Indien aufgestellt haben soll.

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Im traditionellen Karate wird das Dojo als heiliger Ort gesehen, indem der Körper und der Geist trainiert wird. Daher ist es mehr als nur Höflichkeit sich beim Betreten und verlassen des Dojos zu verbeugen. Die sog. Dojokun beinhalten Verhaltensregeln, die auch außerhalb des Dojos Gültigkeit haben.


Bild "Verein:dojokun_0.png"

DÔJÔ - KUN


Die noch heute gültigen fünf klassischen DÔJÔ-KUN des KARATE & KOBUDÔ gehen vermutlich auf SAKUGAWA KANGA (1733-1815) zurück, der sie so für das TÔDE formuliert haben soll.

Möglicherweise formulierte er damit ethische Grundwerte, die er bei seinem Aufenthalt in China erkannte.

Die ursprüngliche Idee dieses Kodex lässt sich aber über das chinesische SHAOLIN-Kloster bis zum legendären Mönch BODHIDHARMA zurückverfolgen.

DÔ = JÔ = KUN =
Weg, Pfad Ort, Standort Anweisung


DÔJÔ-KUN bedeutet also: "Anweisungen für den Ort des Weges".

DÔJÔ-KUN gelten aber nicht nur im DÔJÔ. Sie gelten für Schüler und Meister gleichermaßen und sollen für den BUDÔ-KA ein Leitfaden seines täglichen Handelns sein.

Traditionell werden die DÔJÔ-KUN am Ende des Trainings laut, in einem kräftigen und aufrechten Ton, aufgesagt. Der höchst graduierte anwesende Schüler sagt jede einzelne Regel laut vor, die danach von den Anwesenden eben so laut wiederholt wird.

Der Sinn besteht darin: Nachdem man im ganzen Training theoretisch tödliche Techniken geübt hat, sollen die Regeln am Ende des Trainings noch einmal das eigentliche Übungsziel in Erinnerung rufen – die Vervollkommnung der Persönlichkeit.

So wie die Bewegungen und Techniken im Training automatisiert werden, so sollen sich auch diese Regeln in den Geist der Übenden einbrennen.

Die fünf klassischen DÔJÔ-KUN des SAKUGAWA

Die DÔJÔ-KUN werden von rechts nach links und von oben nach unten gelesen.
Es gibt keine Wertigkeit bei diesen Regeln. Die fünfte Regel ist genauso wichtig wie die erste.

Jede Regel beginnt mit "HITOTSU" (wörtlich: "eins") und endet mit "KOTO" (wörtlich: "Sache", "Ding", "Ereignis", "Umstand", "Erfahrung"). In dieser Kombination der Schriftzeichen bedeutet dies: "Es ist wichtig:".
Jeweils zwischen HITOTSU und KOTO befinden sich die Regeln. Sie werden durch diese zwei Begriffe voneinander abgegrenzt, so wie wir es durch einen Punkt am Satzende tun würden.


1. - Das Verhältnis zu sich selbst -
HITOTSU, JINKAKU KANSEI NI TSUTOMERU KOTO.
Es ist wichtig, nach der Vervollkommnung des Charakters zu streben.


Diese Regel drückt aus, dass der Schwerpunkt des Trainings nicht auf Stärke, Geschwindigkeit oder der Fähigkeit liegt, jemanden zu besiegen, sondern auf dem Streben nach der Perfektionierung des eigenen Charakters. Gichin Funakoshi beschrieb in seinem Buch "Karate dô - Mein Weg" eine Geschichte, bei der sich zwei Dörfer bekämpften und er als Schiedsrichter hinzugezogen wurde. Er fand eine für beide Parteien akzeptable Lösung und konnte somit einen Kampf verhindern.
Genau dieses Ziel ist im KARA TE-DÔ anzustreben: einen kühlen Kopf bewahren und eine friedliche Lösung finden.


2. - Das Verhältnis zur Welt -
HITOTSU, MAKOTO NO MICHI O MAMORU KOTO. Es ist wichtig, den Weg der Aufrichtigkeit zu bewahren.


Diese Regel besagt, dass man den Weg der wahrhaftigen Wahrheit gehen soll.
Ein KARATEKA sollte immer Aufrecht sein, er sollte sich auf das stützen was er bereits erreicht hat, nicht auf das, was er zu erreichen träumt.

Bruce Lee sagte einmal: "Wenn Sie morgen nicht in Teufels Küche kommen wollen, dann sagen Sie bereits heute die Wahrheit!"

Jede Lüge kommt irgendwann, irgendwo, irgendwie ans Tageslicht.


3. - Wege des rechten Strebens -
HITOTSU, DÔRYOKU NO SEISHIN O YASHINAU KOTO. Es ist wichtig, den Geist der Bemühung zu entfalten.


Eine wesentlich kürzere, aber auch sehr treffende, Übersetzung lautet: "Bemühe dich stets und ständig."

Prinzipiell geht es in dieser Regel um das "motiviert sein". Der Schüler, welcher sich auch außerhalb des Trainings über seine Kunst informiert, dem Lehrer aufmerksam zuhört und mit ganzem Elan trainiert, kann sehr große Fortschritte erzielen.

Schon Konfuzius erklärte einst: "Nur Beharrung (Ausdauer) führt zum Ziel". Oder wie man in unseren Breiten sagt: "Ohne Fleiß kein Preis".


4. - Verhaltensetikette - HITOTSU, REIGI O OMONZURU KOTO. Es ist wichtig, höflich zu sein.


Diese Regel besagt, dass man die Höflichkeit und insbesondere die Etikette (Verhaltensregeln in den Kampfkünsten) hoch schätzen soll.

Im heutigen KARATE bestehen die Etikette aus der Verbeugung zueinander vor und nach einer Übung, dem An- und Abgrüßen vor und nach dem Training und dem höflichen Umgang gegenüber Lehrer und Schüler.

Diese, zu Beginn erst einmal erzwungenen, Verhaltensweisen im DÔJÔ, führen im Laufe der Gewöhnung auch zu einem höflicheren Verhalten in der Gesellschaft.


5. - Gewaltloses Handeln - HITOTSU, KEKKI NO YÛ O IMASHIMURU KOTO.


Diese Regel weißt darauf hin, sich nicht als ein Held aufspielen zu wollen, nicht jemand zu sein, der sein Können in der Kampfkunst dafür missbraucht, um sich vor anderen als "großer Mann" aufzuspielen.

Dies gilt natürlich nicht nur auf die Kampfkünste bezogen!






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