Karate-Akademie Göttingen e. V.

Schule Milutin Susnica

Karate-Akademie Göttingen

Schule Milutin Susnica
Letzte Änderung: Meisterschaften 2018 (15.11.2018, 09:04:54)

Die Kampfkunst Karate



Die Ursprünge des Karate
Die Kampfkunst Karate hat ihre Wurzeln sowohl in dem Traditionellen, als auch in der Moderne. Es gibt Vermutungen, dass Karate weit vor dem 19. Jahrhundert schon im Geheimen praktiziert wurde, jedoch wurden schriftliche Daten kaum erfasst. Das Wissen der Kampfkunst wurde im Wesentlichen nur mündlich weitergegeben. Die genaue Entwicklung des Karate ist deshalb nur schwer zurückzuverfolgen. Es wird angenommen, dass die Kampfkünste ihren Ursprung im alten Indien haben. Aufgrund der unterschiedlichen Körperhaltungen der riesigen Steinwächter am Eingang zur großen Höhle der Longmen-Grotten in China (Lo-Yang) werden Rückschlüsse zu der sogenannten Vajramukti-Kampfkunst gezogen. Praktiziert wurde diese durch die Kriegerkaste im alten Indien.

Etwa um 520 n. Chr. reiste ein namentlich nicht bekannter Mönch aus Indien in die Provinz Henan nach China und brachte das Zen 2 in das (Shaolin) „Kloster des kleinen Waldes”. Es ist möglich, dass dieser Mönch die Vajramukti-Kampfkunst beherrschte und diese an die Mönche des Klosters weitergab. Daher stammt vermutlich die Legende der unbesiegbaren Shaolin-Mönche.

Das Shaolinkloster wurde im Jahre 1674 zerstört, wobei ein Mönch namens Fang Houshu überlebte. Dieser ließ sich in der Provinz Fuijan in einem kleinen Dorf (Fuzhou) nieder, wo er sein Wissen nur einer auserwählten Person, in diesem Fall seiner Tochter, weitergab. Fang Jin Jang wird heute als Begründerin des Kungfu-Stils des „Weißen Kranichs” angesehen. Die Kampfkunst wurde weiter verfeinert und im Geheimen trainiert. Um 1828 gelangte schließlich ein aus diesem Stil abgeleitete Art des chinesischen Boxens von Fuzhou nach Okinawa, welcher als Grundlage für die Entwicklung des Goju ryu Kempo Karate diente.

Um 1870 kam es in Japan zu großen gesellschaftlichen und politischen Veränderungen. Um Unruhen vorzubeugen, wurden durch Iehiza Shimazu, dem damaligen Herrscher des Satsuma-Klans, Gesetze erlassen, die der Bevölkerung das Tragen von Waffen verboten. Zum Schutz gegen Aggressoren war die einfache Bevölkerung deshalb gezwungen, Nahkampftechniken zu entwickeln, welche unbewaffnet oder nur mit landwirtschaftlichen Geräten ausgeübt werden konnten. Auf diese Weise fand durch das Waffenverbot auf Okinawa ein Aufschwung des Kobudo und der waffenlosen Kampfkünste statt. Bo, Tonfa, Sai, Nunchaku und noch viele andere Geräte  der landwirtschaftlichen Arbeit wurden auf diese Weise genutzt, um sich vor Piraten, Samurai und Plünderern zu schützen.

Ende der 1870er Jahre führten Regierungswechsel, Reformen, moderne Verkehrsmittel und der Kontakt zu fremden Kontinenten und deren Kulturen zu einer Öffnung der japanischen Gesellschaft der restlichen Welt gegenüber. Auch nach Abschaffung des Waffenverbotes und der Angliederung Okinawas an Japan im Jahre 1875 wurde die Kampfkunst weiterhin im Geheimen geübt und nur vom Meister zum Schüler weitergegeben. In Bewegungsabläufen, welche in so genannten Kata versteckt waren, konnten die Meister ihre Kampftechniken verschlüsselt weitergeben. Die Tatsache, dass beide Systeme, sowohl die waffenlosen Kampfkünste, das Te, als auch das Kubodu, verboten waren, wirkte einer Vereinheitlichung zu einem Okinawastil entgegen.

Die uns heute bekannte umgangssprachliche Übersetzung „Form” für Kata reicht nicht für die tatsächliche Bedeutung dieser Bewegungsabläufe aus. Diese wurden nämlich bis zur Perfektion geübt, nicht nur um Körperbeherrschung zu erlangen, sondern auch, um die darin verschlüsselten Techniken im Ernstfall effektiv im Kampf einsetzen zu können. Ein anderes Hilfsmittel, um die Kampfkunst zu trainieren, war z. B. das an einem Holzpfosten befestigte Makiwara.

Ziel des Trainings war es, einen tödlichen Schlag zu beherrschen. Das bedeutet, dass Aggressoren (meistens schwer bewaffnete Samurai die mit Räuberei ihren finanziellen Status verbessern wollten), bei erfolgreichem Einsatz der Technik mit dem ersten Schlag außer Gefecht gesetzt werden konnten.

Modernes Karate: Die Unterschiedlichen Stile
Mit Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts kam es zu einem verstärkten kulturellen Austausch zwischen Japan und der damaligen Regierung auf Okinawa. Die japanischen Autoritäten zeigten verstärktes Interesse an den Kampfkünsten auf der Insel und unterstützten folglich ihre Verbreitung, was in der Gründung von verschiedenen Stilen mündete, die im Folgenden beschrieben werden sollen. Sie basieren auf der Grundlage zweier Hauptstile, dem Shorin Ryu und dem Shorei-Ryu. Diese haben ihre Wurzeln in den Städten Shuri-Te und Naha-Te auf Okinawa. Aus dem Shorei-Ryu sind die Stile Goju-Ryu und Shito-Ryu entstanden. Die beiden Stile Shotokan und Wado-Ryu haben ihre Wurzeln im Shorin-Ryu.

Die heutige Karateszene bietet ihren Betreibenden eine große Vielfalt an unterschiedlichen Karatestilen. Die vier erwähntenHauptstilrichtungen bilden allerdings den Kern des Karate. Shotokan (Haus des Pinienrauschens), der von Gichin Funakoshi entwickelte und verbreitete Karatestil ist nach dem Künstlernamen Funakoshi’s (Shôtô) benannt. Shôtô bedeutet übersetzt „Pinienrauschen”. „Kan” bedeutet Haus oder Tempel. Die Bezeichnung Shôtôkan verwendete Funakoshi für seinen ersten eigenen Verein und den von ihm betriebenen Karatestil. Im Jahre 1922 wurde Funakoshi zu einer Vorführung verschiedener japanischer Kampfkünste nach Tokyo eingeladen, um seinen Karatestil zu präsentieren. Nach gelungener Vorführung fand sein Stil großen Zuspruch und er eröffnete 1935 die erste Shotokan Karateschule in Tokyo.

Shotokan ist heute die am weitesten verbreitete Stilrichtung im Karate. Gekennzeichnet ist dieser Stil durch dynamische und kraftvolle Bewegungen sowie durch sehr tiefe und lange Stellungen. Das Ziel ist dabei, die Muskulatur so zu trainieren, dass man in der Lage ist, eine lange Distanz zum Gegner überbrücken. Weitere Merkmale des Shotokan Karate sind einerseits die bevorzugte mittlere Kampfdistanz, andererseits die großen Ausholbewegungen, das extrem hohe Knieanreißen bei Tritttechniken sowie direkte und ansatzlose Blocktechniken. Es gibt insgesamt 27 Shotokan Kata, welche sich aus den sog. Shuri-Te, Naha-Te und Tomari-Te ableiten. Alle Techniken in dieser Stilrichtung können als Angriffstechniken und als Blocktechniken eingesetzt werden.

Wado Ryu (Innerer Frieden) Gegründet wurde Wadu-Ryu 1934 von dem Meister Hironori Otsuka. Dieser war ein Schüler des Begründers der Stilrichtung Shotokan, Gishin Funakoshi. Wie die meisten anderen Karatestile hat auch dieser Stil Wurzeln in den chinesischen Kampfkünsten und beruht außerdem auf der Kombination von verschiedenen japanischen Kampfkünsten. Im Gegensatz zum Shotokan Karate sind beim Wadu-Ryu die Stände und Ausholbewegungen verkürzt. Es steht die Ausweichbewegung des Körpers (Tai Sabaki) im Vordergrund. Wado Ryu Karate wird seit 1963 in ganz Europa ausgeübt. Von London aus fand diese Stilrichtung 1965 ihre Vertreter in den Niederlanden und wurde von dort nach Deutschland überliefert.

Shito-Ryu (Schule nach den Großmeistern Higaonna und Itos) Gegründet wurde der Shito-Ryu Stil im Jahre 1934 von dem Meister Soke Mabuni Kenwa auf Okinawa. Charakterisiert wird Shito-Ryu dadurch, dass es eine schnelle, kraftvolle und artistische Stilart ist, die durch einen Wechsel von harten und weichen Bewegungen belebt wird. Weitere Merkmale sind die langen Stellungen und die physische Kraftübertragung bei der Technikausführung. Dieser Stil basiert auf fünf Prinzipien. Im ersten Prinzip wird jeder Angriff mit starken Abwehrtechniken geblockt, ohne auszuweichen. Das zweite Prinzip trägt die Bedeutung des fließenden Wassers: die Angriffsenergie wird ohne Einsatz von großer eigener Kraftaufwendung umgeleitet. Das dritte Prinzip beruht auf dem Absenken und Wegdrehen des Körpers aus einem Angriff. Im vierten Prinzip wird die Aufmerksamkeit auf das Ausweichen des Körpers aus der Angriffslinie gelegt. Das fünfte und letzte Prinzip basiert auf der gleichzeitig ausgeführten Kontertechnik. Diese erfolgt mit der Angriffstechnik des Gegners. Abgerundet wird auch dieser Stil durch den Einfluss der Kata-Elemente, welche hier eine große Bedeutung haben. Durch ständiges Üben des Kata Bunkai (Anwendung am Partner) ist im Shito-Ryu die Vielfältigkeit an Techniken entstanden, was sich auch in der enormen Vielseitigkeit von über 60 Kata zeigt.

Goyu-Ryu (hart und weich) Chojun Miyagi gründete 1933 die Stilart Goyu-Ryu. Dieser Stil beinhaltet viele Elemente aus dem chinesischen Boxen des 17. bis 19. Jahrhunderts. Das wichtigste Element beruht auf der Kraft der Hebelwirkung, welche durch Bein- und Armhebel zum Einsatz gebracht werden kann. Weitere wichtige Grundelemente sind Würge- und Haltegriffe, aber auch spektakuläre Wurftechniken und der Kampf mit dem Partner am Boden runden diese Stilrichtung ab. Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass alle Stile viele Gemeinsamkeiten aufweisen. Sie stützen sich auf die drei Grundelemente: Grundschule (Kihon), die Form (Kata), und den Bereich des Kämpfens (Kumite). Zum einen sind sich die meisten Techniken und Stellungen ähnlich. Zum anderen wird der Bereich Kata in allen vier Stilen ausgeübt, lediglich die Vielfalt und Anzahl der Kata weichen voneinander ab.

Durch das Ausüben von Kata soll eine möglichst vielseitige technische Ausbildung erlangt werden. Mit dem Training der Technik soll der Geist geschult werden und mit dem Training des Geistes werden umgekehrt die Techniken geschult. Somit sollen Körper und Geist eine Einheit bilden.





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